Erste Konferenz für ökonomische Vielfalt in Wien

Wider die Einfalt: Erste Konferenz für ökonomische Vielfalt in Wien
Studierende und junge ForscherInnen organisierten die erste Konferenz für Pluralismus in der Ökonomik an der Wirtschaftsuniversität Wien

Von 10.-12. April wurden an der Wiener WU in 6 Sessions 74 wissenschaftliche Arbeiten von etablierten ProfessorInnen genauso wie von fortgeschrittenen Studierenden präsentiert. Mit durchwegs positiven Rückmeldungen: „Qualitätsvolle Sessions, spannend-kontroverse Keynotes, gute Stimmung – diese Konferenz war wirklich ein Ereignis. Und wenn bei bestem Wetter an einem Freitagnachmittag mehrere Hundert Menschen im Festsaal sitzen, müssen die OrganisatorInnen wohl etwas richtig gemacht haben.“, resümmiert Dr. Fred Luks vom Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit der WU.

Mit über 280 Personen aus allen Teilen der Welt war die Konferenz ein voller Erfolg. Auch die Rückmeldungen der TeilnehmerInnen gestalten sich durchwegs enthusiastisch. So äußert sich der Post-Keynesianische Professor Stockhammer nach der Abschlussveranstaltung begeistert: “Die Konferenz war mit rund 300 Teilnehmern nicht nur sehr gut besucht, sondern beeindruckte mit dem Enthusiasmus der Studierenden. Die Qualität der Vorträge war hoch und die intensiven Diskussionen spiegeln das breite Interesse der Studenten an wirtschaftlichen Fragen wider, das an Österreichs Universitäten nur unzureichend befriedigt wird. Das Lehr- und Forschungsangebot ist dort vom neoklassischen Mainstream dominiert und deckt innovativere Ansätze wie Postkeynesianismus, Feministische Ökonomie oder Ökologische Ökonomik nur unzureichend ab. Die Konferenz war von der Größe her mit den Rethinking Economics Konferenzen in London vergleichbar und dokumentiert eindrucksvoll, dass die internationale Bewegung für mehr Pluralismus in der Ökonomie, die letztes Jahr ihr Manifest vorlegte, weiter am Wachsen ist. Auch in Österreich wären die Universitäten gut beraten auf die Forderungen der Studierenden zu reagieren.”

Nicht erst seit der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise stehen die Wirtschaftswissenschaften zunehmend in der Kritik, entscheidende Fragen einseitig zu beleuchten. Die Lehre hat kaum auf die Krise reagiert. Bis heute hören die Studierenden meist nur von Modellen, die bereits in Vorkrisenzeiten alternativlos unterrichtet wurden. “Der Grund dafür liegt darin, dass eine einzige ökonomische Schule im letzten Jahrhundert erfolgreich die Rolle als dominanter theoretischer Ansatz eingenommen hat und sie bis heute vehement verteidigt. Tatsächlich existieren viele verschiedene Schulen, die versuchen wirtschaftliche Fragestellungen zu beantworten”, so eine kritische Studentin.

Die Konferenz gab zeitgerechten Ansätzen einen Raum. Die Ziele waren insbesondere, vielfältige Forschung und Vernetzung zu fördern, EntscheidungsträgerInnen innovative Lösungskonzepte näherzubringen und Startpunkte für neue Forschungsinitiativen zu liefern. “Außerdem soll in der akademischen und allgemeinen Öffentlichkeit ein Zeichen gesetzt werden, dass eine plurale Ökonomik gesellschaftlich unabdingbar ist und endlich Lösungsansätze für die Behandlung gegenwärtiger Wirtschaftsprobleme bieten könnte – im Gegensatz zum Mainstream”, so ein Mitglied der Gesellschaft für Plurale Ökonomik Wien.

Die Konferenz stellte so einen Schritt dar, vielfältige Forschung zu stärken, damit sie realen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen kann. Diesen aktuellen Fragestellungen folgend, wurden die vorgestellten Arbeiten in folgende Themenblöcke aufgeteilt: Wechselwirkungen zwischen Umwelt und sozioökonomischen Systemen, die Rolle von Arbeit im 21. Jahrhundert, Umverteilung von Vermögen und Macht, Finanzmärkte und die Rolle von Geld, Methodologie einer pluralen Ökonomik sowie die Lehre von pluralen Ansätzen. Zusätzlich konnten renommierte ForscherInnen für Keynotes gewonnen werden: Ioana Negru (SOAS, University of London), Pasquale Tridico (Università degli studi di Roma Tre, Vorsitzender EAPE) und Engelbert Stockhammer (Kingston University London).

Die Forderung nach pluraler Ökonomik begründet sich in der Überzeugung, dass der aktuelle ökonomische Diskurs nicht in der Lage ist, zufriedenstellende Antworten auf gesellschaftliche Problemstellungen zu liefern. Das dominierende Paradigma der Wirtschaftswissenschaften hat sich – spätestens mit Blick auf die jüngsten Krisen – als unzureichend erwiesen.

Die Wiener Initiative setzt sich aus kritischen Studierenden und jungen WissenschafterInnen aus dem Bereich der VWL und verwandten Fächern zusammen. An der WU wird die Initiative auch von der Mastervertretung VW/SozÖk/SEEP unterstützt und an der Universität Wien vom Roten Börsenkrach (RBK), die dortige Studierendenvertretung für VWL, die sich seit Jahrzehnten für eine kritischere Lehre einsetzen. Die VrauWL, ein Kollektiv von VWL-Studentinnen und Ökonominnen in Wien unterstützt die Initiative ebenfalls seit deren Beginn.

Pressekontakt:
Gesellschaft für Plurale Ökonomik
Florentin Glötzl
Tel: +43 650 6607768

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Fotos von Sonja Spitzer: http://www.sonjaspitzer.com